0011 Der vorwurfsfreie Raum
Shownotes
In dieser Folge beginnen wir ausgerechnet mit einem Vorwurf, der sich anbieten würde.
Heikos Toyota Land Cruiser „Friede“ steht seit langer Zeit in einer Werkstatt. Viel länger, als Barbara zunächst wusste. In den vergangenen Wochen hat das Fahrzeug unsere Planungen erheblich beeinflusst. Wir sind hingefahren, haben Ferienwohnungen genommen, unsere Arbeit darum organisiert, gewartet, gehofft, neu geplant – und nun nähert sich unsere Abreise.
Barbara sagt ziemlich deutlich: Das hat mich geärgert.
Und trotzdem merken wir im Gespräch, dass Ärger und Vorwurf zwei verschiedene Dinge sein können.
Wir sprechen darüber, was ein Vorwurf eigentlich macht. Er steht plötzlich zwischen zwei Menschen. Aus „Das hat mich verletzt“ wird „Du hast etwas falsch gemacht“. Aus einem konkreten Ereignis kann eine Rechnung werden, die noch Jahre später präsentiert wird.
Bei uns treffen dabei zwei sehr unterschiedliche Geschichten aufeinander. Barbara hat gelernt, Dinge anzusprechen, zu verändern und nicht lockerzulassen. Heiko hat gelernt, vieles hinzunehmen, selbst zu lösen und manches mit sich allein auszumachen. Und dann gibt es noch die Selbstvorwürfe – jene besonders raffinierte Variante, bei der der andere gar nicht merkt, wie hart man gerade mit sich selbst ins Gericht geht.
Wir erzählen auch von einer falschen Autobahnauffahrt, einem verpassten Sonnenuntergang, zu spät gekommenem Essen, Wäsche auf der Leine und einem Heiko, der seelenruhig auf einem Hotelbett liegt, während Barbara an Druckvorlagen verzweifelt.
Kleine Situationen. Große Übungsfelder.
Und immer wieder entdecken wir dieselbe Frage:
Was wird möglich, wenn wir nicht sofort nach einem Schuldigen suchen?
Manches, was zunächst vollkommen falsch gelaufen scheint, führt an einen Ort, an den wir sonst nie gekommen wären. Ohne die Verzögerungen mit der „Friede“ wären wir nicht auf dem Buschtaxi-Treffen in Ohrdruf gelandet. Dort trafen wir Yvonne und René von Leila on Tour – eine Begegnung, die unsere Reiseplanung entscheidend verändert hat.
Der vorwurfsfreie Raum ist für uns kein harmonischer Raum, in dem niemand mehr wütend oder enttäuscht sein darf.
Er ist ein Raum, in dem wir sagen können, was uns ärgert, ohne die Liebe daran zu knüpfen.
Und in dem ein Satz wie „Weil du das gemacht hast …“ nicht automatisch mit „… bist du weniger liebenswert“ endet.
Neuer Kommentar