0012 Was ich dir nicht sage
Shownotes
Diese Folge beginnt dort, wo unsere vorige über den vorwurfsfreien Raum aufgehört hat.
Denn was geschieht eigentlich, wenn ich gar keinen Vorwurf riskiere, weil ich vorher schon dafür sorge, dass der andere bestimmte Dinge nicht erfährt?
Heiko kennt eine Strategie sehr gut: Dinge mit sich selbst ausmachen. Nicht alles erzählen. Abwarten. Sich mit Situationen abfinden. Die Zeit wird manches schon richten.
Barbara funktioniert anders. Sie will wissen, verstehen, klären, verändern. Und sie reagiert empfindlich darauf, wenn sie später erfährt, dass wesentliche Informationen nicht ausgesprochen wurden.
Also geraten wir mitten hinein in eine Frage, die gar nicht so eindeutig zu beantworten ist:
Ist Weglassen schon Lügen?
Wir unterscheiden zwischen einer falschen Behauptung, einer Heimlichkeit, einem Geheimnis, einer Notlüge und dem bewussten Verschweigen. Und wir entdecken, dass hinter vielem davon dieselbe alte Erfahrung stehen kann: Ich sage es lieber nicht, weil ich Angst vor dem habe, was anschließend geschieht.
Schon als Kinder lernen wir erstaunliche Strategien dafür.
Barbara fällt als Kind auf dem Eis ins Wasser und erzählt ihrer Großmutter etwas von einer Pfütze. Ein kaputter Bettrahmen wird mit Büchern abgestützt. Heiko und seine Brüder schaffen es sogar, eine kaputte Fensterscheibe auszutauschen und das Beweisstück im Keller verschwinden zu lassen. Schulbrote landen hinter dem Sofa.
Hauptsache, kein Ärger.
Und irgendwann nehmen wir diese Strategien mit ins Erwachsenenleben.
Barbara erzählt von ihrer Methode „Das Geheimnis“, bei der Menschen anonym etwas aufschreiben, das sie noch nie oder kaum jemandem erzählt haben. Dabei zeigt sich immer wieder, wie unterschiedlich wir bewerten, was überhaupt ein großes Geheimnis ist – und wie schwer manches wird, gerade weil es jahrelang nicht ausgesprochen wurde.
Dann dreht sich unser Gespräch.
Denn Barbara erkennt, dass auch sie Dinge nicht erzählt. Ihr persönlicher finanzieller Freibetrag ist so ein Bereich. Nicht, weil sie Heiko betrügen will, sondern weil sie nicht über jede Entscheidung Rechenschaft ablegen möchte.
Plötzlich reicht die einfache Einteilung in ehrlich und unehrlich nicht mehr.
Wie viel Transparenz braucht Liebe?
Was darf nur mir gehören?
Wann schütze ich einen privaten Raum – und wann schütze ich mich nur vor einer unangenehmen Reaktion?
Und was geschieht in einer Beziehung, wenn ich darauf vertrauen kann, dass der andere mir das sagen wird, was für unser gemeinsames Leben wirklich relevant ist?
Am Ende dieser Folge haben wir darauf keine endgültige Antwort.
Aber wir wissen: Das Thema ist noch lange nicht zu Ende erzählt.
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